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Der Streit

Der Streit

Der "Streit" von Marivaux, geschrieben Mitte des 18. Jahrhunderts im aufgeklärten, aber noch vorrevolutionären Frankreich, ist eine Zeitreise an den paradiesischen Anfang der Welt. Aber das Paradies ist ein künstliches. Das Stück deckt auf raffinierte Weise ein Dilemma jeder Theaterinszenierung auf: Natürlichkeit und Naivität lassen sich auf der Bühne herstellen, aber dazu bedient sich das Theater künstlicher Mittel.

Die Jugend der Schauspielgruppe Feldkirchen spielt unter der Regie von Sebastian Mandla ihr Stück nach Motiven dieser französischen Komödie. Durch einen sonderbaren Umstand geraten die Spieler in die Zeit des 18. Jahrhunderts und finden sich im Durcheinander der Geschehnisse von Marivaux' Stück wieder. Die Frage nach der wahren Liebe, nach Betrug und Eifersucht, Treue, Eitelkeit und Rache hat nichts in ihrer Bedeutung eingebüßt. Wer sind die Schönsten? Die Überzeugtesten? Die Coolsten? Die Ehrlichsten? Die einzig Liebenden? Auf freche und unkomplizierte Weise nähern sich die jugendlichen Spieler der Thematik und spielen im Damals und Heute. Wer macht den ersten Schritt? Wer wagt mehr als die anderen? Dieses Stück - wenn auch die Vorlage alt - ist nicht von gestern.

Der Streit - und die ewige Frage, welches der Geschlechter denn nun von Natur aus Betthüpfer ist

"Schatz, ich hab wohl ein bisschen zuviel getrunken, und da hab ich irgendwie die Kontrolle verloren. Naja, jedenfalls bin ich am nächsten Morgen bei der aufgewacht... !"

... spätestens nach diesem Satz würde die Masse der Frauen laut rufen: "Typisch Mann!". Doch tritt dieses Phänomen nicht auch oft genug in anderer Konstellation auf?! Wer ist denn nun der Hauptvertreter der sogenannten Fremdgeher und "Betthüpfer". Macht, wie oft behauptet, der Mann oder eben die Frau, von Natur getrieben, den folgenreichen Schritt? Diese Frage beschäftigt auch Chamblain de Marivaux. Seine Komödie "Der Streit" handelt von einem Experiment, inszeniert von einem Edelmann aus längst vergangener Zeit, um dem scheinbar endlosen Streit mit einer reizenden Dame ein Ende zu setzen. Um einen objektiven Einblick in das Verhalten der Geschlechter zu erhalten, wurden je zwei Jungen und Mädchen, alle isoliert von einander, von für sie wohl uninteressanten "Ersatzeltern" aufgezogen. Diese, herangereift, sollten zu geeignetem Zeitpunkt zusammengeführt werden, zunächst nur jeweils eine Frau und ein Mann, die große Liebe, wie sie selbst behaupteten. Doch was passiert, wenn sie auch dem anderen Vertreter, ihres und des anderen Geschlechtes begegnen. Vielleicht wird die doch immer heiß diskutierte Frage endlich einmal beantwortet. Es lohnt sich auf jeden Fall, schon allein wegen des etwas ungewohnten Bühnenbildes und überzeugendem Witz und Charme des Stückes und der Schauspieler.

Das Theater wird in Marivaux' 1744 entstandener Komödie zum Forum für einen Menschenversuch - Zynismus im Dienste der Aufklärung: Durch welches der beiden Geschlechter ist Verrat und Untreue in die Welt gekommen? Die endgültige Beantwortung dieser Frage hat ein Prinz seiner Geliebten versprochen und zu diesem Zweck veranstaltet er im Rahmen eines Festes ein Experiment. Als Versuchslabor dient eine von aller Welt abgeschiedene Behausung, wo der Vater des Prinzen vor 18 Jahren vier neugeborene Kinder isoliert hat. Getrennt voneinander haben die beiden Mädchen und die beiden Jungen keinen anderen Menschen, außer ihren beiden schwarzen Erziehern gesehen. Nicht nur der Prinz und sein Hofstaat, auch die Zuschauer werden zu Beobachtern eines ersten Aufeinandertreffens der ‚Naturkinder'. Wie Voyeure verfolgen sie geheimste innere Erregungen und Verwirrungen und erste Liebesspiele. Doch der Ausgang des Menschenversuchs hält - trotz strenger Versuchsanordnung - nicht, was sich seine Schöpfer davon versprochen haben. Die Allmachtsphantasien von der Manipulierbarkeit des Materials Mensch werden ad absurdum geführt. Das Experiment muss abgebrochen werden, ein endgültiges Urteil lässt sich nicht finden.